
Ein unglückliche Verkettung von unerfreulichen Vorkommnissen oder doch eine Verschwörung?
Begonnen hatte der Tag ganz gut. Das Tagesprogramm versprach kilometermäßig eine schöne überschaubare Runde entlang der sonnigen Blumen-Riviera zu werden und dann waren noch sechs Ziele in den ligurischen Bergen geplant. Vorerst tingelten wir auf der stark befahren Hauptstraße von einem Küstenort zum nächsten, beginnend bei San Remo. Je länger wir fuhren, umso öfter musste ich mich damit trösten, dass es ja den einen oder anderen schönen Ausblick aufs Meer gab. Es war einfach mühsam und nervig zwischen all den vielen Autos und Rollern, immer Stopp and Go in den Ortschaften.


Der Nachmittag brach schon herein und noch immer waren wir nicht in die Berge abgebogen. Woran lag es? Natürlich an meinem speziellen Freund Meister Garmin, der sich trotzig weigerte die eingespeicherten Punkte anzufahren. Gut, dann orientierten wir uns eben anhand der Landkarte, was hieß, doch ein Stück zurück auf der Autobahn. Endlich hatten wir den Einstieg zu der vorgesehenen Runde in den Bergen gefunden und die große schwarze Wolke schwebte unmittelbar über uns. Der erste Donner grollte und der Regen begann auf uns hernieder zu prasseln. Unter einem Balkon streiften wir wieder einmal unser Regenzeug über, oh welche Freude. Von den Zielpunkten weit und breit keine Spur, denn der Meister verweigerte beharrlich irgendetwas anzuzeigen. Er zog es vor einfach kontinuierlich zu blinken. Dank Google Maps auf meinem Handy, das ich bei strömendem Regen wirklich nicht gerne auspacke, schafften wir es doch die ersten beiden Zielpunkte anzusteuern. Aber wie sollte es weiter gehen? Ein letztes Lebenszeichen vom Meister Garmin ermöglichte es wenigstens die nächsten Zielpunkte auszulesen. Wäre das nicht möglich gewesen, wäre nur die Abfrage über den PC noch eine Option gewesen. Die trockene Arbeitshütte war schon ausgespäht.


Zufällig passierten wir Punkt vier von der Liste noch vor Punkt drei. Egal, Hauptsache wir waren da und konnten das Zielfoto machen. Aber wo liegt Punkt fünf? Die Straßenbezeichnung passte, in der Haarnadelkurve sollte laut Google der Weg abgehen, aber da war nur eine Schotterpiste, die immer unwegsamer wurde. Im Roadbook war von keiner Off-Roadstrecke die Rede. Das konnte nicht stimmen. Der Punkt musste irgendwo entlang der Asphaltstrasse liegen? Wir fuhren hin und wieder zurück und auf gut Glück noch ein Stück weiter zurück und da stand das unscheinbare Schild, das wir zuvor einfach übersehen hatten. Gut nun war Punkt fünf auch im Kasten, aber es war schon spät.

Punkt sechs war unmöglich an dem Tag noch zu schaffen, das war uns in dem Moment auch ziemlich egal. Der Abend war schon hereingebrochen und ein ganz schönes Stück des Weges lag noch vor uns. Ich packte mein bestes Italienisch aus und verständigte telefonisch die gebuchte Berghütte, dass wir erst sehr spät eintreffen würden und wir hofften, dass es wenigstens noch was Kaltes zu essen gibt. Alles kein Problem, sie würden auf uns warten. Sehr fein, wirklich sehr freundlich! Und dann spannte der Bock-Chef ein. Wir ritten zügig in die Berge hinauf. Die Straße war fein zu befahren, der grandiose Ausblick und die hausgemachten Ravioli entschädigte für den sch… Tag. Im Bergwirtshaus Nuvola sul Mare (Die Wolke über dem Meer) auf 1060 Meter Seehöhe, schliefen wir ziemlich müde wie Bären ein.



Neuer Tag, neues Glück – oder doch eine Verschwörung?
Auch dieser Tag begann sehr vielversprechend. Die Sonne strahlte und der Himmel war blitzblau. Cool. Sollten wir tatsächlich einen schönen trockenen Fahrtag haben? Der vom Vortag übrig gebliebene Zielpunkt konnte von der „Wolke“ aus gut angefahren werden. Und der nächste Punkt von der Pässe-Liste lag nur 200 m vom Quartier entfernt.



Ein weitere Pass lag in Richtung Genua, den wir noch finden mussten. Was uns jedoch am morgen schon verwunderte, dass Horden von MotorradfahrerInnen und Autokolonnen unterwegs waren. Es war für uns ein ganz normaler Freitag am Kalender. Was wir nicht wussten, dass für die ItalienerInnen Nationalfeiertag war. Damit war alles klar. Aber zurück zu unserem unauffindbarem Colle (Pass). Meister Garmin hatte sich zwischenzeitlich wieder kooperativer gezeigt, aber so ganz ausgesponnen hatte er noch nicht. Wir vertrauten der Straßenbeschilderung, nachdem uns seine Vorschläge doch etwas komisch vorkam. Die kleine Straße führte durch Blumenwiesen. Sie schlängelte sich den Berg hoch und mündete in einen steinigen Feldweg. Der Meister war überzeugt, dass es da weiter zum Zielpunkt ging. Auch diesmal gab es im Roadbook keinen Hinweis auf Off-Roas-Passagen. Erfreulicherweise näherte sich ein Fiat Panda, den ich kurzerhand anhielt. In meinem besten Italienisch parlierte ich mit den drei Landburschen, um den Weg zu erfragen. Ok, wir waren richtig. Die „strada bruta“ (schlechte Straße) führte angeblich zum Ziel. Es gibt zwar auch eine ansphaltierte Straße, aber das wäre ein Umweg von 25 km, meinte der eine rundlichere Mann im Ruderleibchen. Er würde den Weg auch mit dem Motorrad fahren, das sollte mit dem Bock kein Problem sein. Es wären ja nur 3 km, oder vielleicht 5 km. Und schon rumpelte der Fiat über die staubige Straße dahin. Na ja, wäre ja nicht das erste Mal, dass wir im Gelände unterwegs sind. Die herannahende schwarze Wolke und das ferne Donner grollen erleichterte unseren Entschluss, die maximal 5 km zu riskieren. Für den neuen gelben Bock ein ganz neues Fahrerlebnis. Wirklich nach ein paar Kilometern landeten wir auf einer geteerten Landstraße. Wir durchstreiften ein schöne almige Landschaft, bevölkert von den Ausflüglern, die ihr Picknick genossen. Nachdem wir das Zielfoto geschossen hatten, rauschten wir hurtig auf der anderen Seite vom Berg wieder runter.


Die ersten Regentropfen klopften schon ans Helmvisier. Knapp hinter Genua gerieten wir in eine Straßensperre, abermals wegen einer Etappe des Radrennes Tour Grand Fondo. Wir warteten die 15 Minuten zappelig ab. Wir mussten weiter, unser Weg für den Tag war noch lange. Auf der Autobahn durchquerten wir drei Stunden die unspannende Po-Ebene. Das Thermometer klettere auf heisse 31 Grad, völlig ungewohnt. Die schwarze Wolke begleitete uns ständig bedrohlich rechter Hand bis Brescia. Aber wir waren einfach schneller und fuhren ihr davon nach Riva del Garda.
Den geplanten Ruhetag in Riva hatten wir uns wohl verdient nach den verhängnisvollen Strapazen der letzten Tage.







* Textanleihe bei Lea Biermann
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Reichlich Regen diesmal! Zumindest die Ravioli passen. Den Regen bitte zum Neusiedlersse weiterschicken.
LG
Peter
Leider. Wir hoffen, den Regen nicht nach Hause mitzunehmen. 👋