
Schon 2018 hatten wir bei unserer Heimfahrt von Schottland einen Abstecher nach Colmar gemacht, um in den nur 30 Kilometer entfernten Hügelketten der Vogesen zu touren. Leider wurde damals nichts daraus – ganz viel Nebel und echt kühles herbstliches Wetter.
Daher nutzten wir die Zeit für eine ausführliche Besichtigung von Colmar, einen Streifzug am Flohmarkt und die Erkundung der nahe gelegenen Elsässer Weinstraße. Der Zeitpunkt im Herbst 2018 war zufällig gut gewählt. Erfreulicherweise wurde gerade das Weinfest in Colmar ausgerichtet. Unter den Stadtarkaden fanden die Degustationen der Winzer statt. Der kulinarische Hochgenuss von Gewürztraminer mit Foie gras und Elsässer Brezen hatten sich in unsere Gaumen eingeprägt. Ein Gedicht, wir schwärmen noch immer davon. Daher gönnten wir uns diese Köstlichkeiten gleich nach unserer diesjährigen Ankunft in Colmar.

Eigentlich war der Abstecher auf dieser Reise in den Elsass eine spontane Entscheidung, vom Schwarzwald nach Colmar und in die Vogesen, das ist quasi ein Katzensprung. Unsere Zeitbudget war flexibel, daher gönnten wir uns die paar extra Tage Urlaub* im Elsass.
Den Vormittag vertrödeln, ein Stadtspaziergang in der märchenhaften Fachwerkhäuser-Kulisse von Colmar zu machen, an den Kanälen in klein Venedig entlang zu schlendern und ein Glas Wein oder Bier endlich in der Sonne geniessen zu können, das ist echtes Urlaubsfeeling. 🙂












Vor lauter schwelgen im Urlaubsfeeling hätte ich fast unsere Tour in die Vogesen vergessen, deretwegen wir eigentlich hergekommen waren.
Raus aus Colmar und vorbei an den Bilderbuchdörfern für welche die Elsässer Weinstraße auch bekannt ist. Halt, das stimmt nicht ganz, denn in Riquewihr bremsten wir uns ein und tuckerten langsam über das Kopfsteinpflaster ins Zentrum. Es war wie eine Zeitreise ins Mittelalter oder das Eintauchen in eine Filmkulisse für ein Märchen. Kein Wunder, dass manches dieser Elsässer Dörfer zu den Schönsten Frankreichs gekürt wurde.









Gleich hinter den Weinbergen steigen die bewaldeten Hänge der Vogesen hoch. Da fuhren wir auch hin, nicht ahnend, dass wir dort unsere Abendessen finden werden. Sozias scharfer Blick hatte sie sofort am Wiesenrand erspäht! 12 prächtige Parasole. Vier Stück haben wir in den Seitenkoffern vorsichtig verstaut und dann rauschten wir schon weiter.



Die Vogesen-Gebirgskette hat zahlreiche Gipfel, die einer Höhe von knapp über 1400 m erreichen. Ein kurvenreiches Strassennetz spannt sich über die bewaldeten Hügel rauf zu den almigen Höhen. Die Route des Cretes ist die beliebteste Strecke, die alle sehenswerten Aussichtspunkte der Vogesen miteinander verbindet. Bei gutem Wetter sind natürlich alle hier unterwegs – Fahrräder, Motorräder, Oldtimer, Wohnmobile, Sonntagsfahrer. Beim Großen Blechen/Grand Ballon befindet sich der Alpenblick/Vue des Alpes. Bei guter Sicht kann man hier die gesamte Gebirgskette der Schweizer Alpen sehen. Eine interessante Geschichte gibt es zum Pass Col de la Schlucht auf 1139 m. Von Münster aus führte eine meterspurige Zahnradbahn auf den Pass und von der französischen Seite fuhr eine meterspurige Straßenbahn hinauf. Die Bahnstrecke wurde 1907 eingeweiht. Die beiden Bahnen waren nicht verbunden, dazwischen lagen 100m – die deutsch-französische Grenze die seit 1871 dort verlief. Wegen dem Ersten Weltkrieg wurde die Bahn 1914 eingestellt.



Wie schon so oft bei unseren Entdeckungsfahrten stoßen wir immer wieder auf Spuren der Kriege, so wie schon vorhin kurz erwähnt, auch in den Vogesen. Die Schlacht um den Lingekopf, die von keinerlei strategischem Interesse war, war eine wahre menschliche Tragödie, die durch den Mut, die Verbissenheit und das Opfer der französischen und deutschen Soldaten geprägt war. Sie zeugt von der Brutalität und Schwierigkeit der Kämpfe des Ersten Weltkriegs, in denen Tausende von Leben für oft nur minimale territoriale Fortschritte verschwendet wurden. 17.000 Soldaten waren es 1915 bei den Kämpfen am Lingekopf.
Wenn eine friedliche Landschaft zum Schlachtfeld wird Ein Museum, das Mahnmal und der nahe gelegene Friedhof zeugen von dem Massaker.



Nun, die Vogesen-Tour war super schön, nicht nur weil es ganzen Tag nicht geregnet hat. Wir fuhren auf vielen kleinen Nebenstrassen abseits der Hauptroute und die gebackenen Parasole haben am Abend hervorragend geschmeckt.

*Urlaub deshalb, weil wir tatsächlich einen Ruhetag eingelegt hatten. Der Bock-Chef meint, dass Reisen kein Urlaub ist. Manchmal hat er ja recht damit, weil es kann schon stressig sein, wenn jeden Tag die Taschen gepackt werden müssen, den Blog zu schreiben und sich rechtzeitig um Quartiere zu kümmern.
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Fein, dass ihr im Elsass so schöne gemeinsame Stunden verbringen könnt und einen „Urlaubstag“ richtig genießt und uns teilhaben lasst. Freue mich auf die weiteren Berichte und die tollen Fotos und wünsche gute Fahrt – bei hoffentlich viel Sonnenschein.