Wie hat euch der erste Eindruck von den Lofoten gefallen? Hm, aber es gibt noch mehr. Es geht gleich weiter mit einer Skulptur in einem der bereits erwähnten, verstreuten Skulpturenparks. Bei Lyngvaer, ganz unscheinbar neben der Straße beim Fjordufer, steht ein großer Spiegelkasten. Die Parkmöglichkeit hat der Anrainer vorsorglich gleich gesperrt. Wahrscheinlich, stiefelten zu viele Leute über sein Grundstück, um zu der Skulptur zu kommen. Der „neue“ Weg führt ein Stück entlang der Leitplanke und dann rechts über die großen Steine. Man muss um den Kasten herum gehen, damit man die große, dem Wasser zugewandte konkav gebogene Spiegelfläche sieht, die das eigentliche Kunstwerk ist. Dan Graham (USA) hat die Skulptur (Ohne Titel) geschaffen. Wichtig war dem Künstler, dass der Betrachter in der Spiegelung der Natur aufgenommen wird – Der Mensch und die Natur. Es sah immer anders aus, je nachdem wo wir standen, manchmal waren wir beide gleichzeitig zu sehen, dann wieder nur eine Person, oder wir waren beide doppelt zu sehen. Wir verbrachten eine ganze Weile bei der Spiegelwand und hatten viel Spaß mit der „interaktiven“ Skulptur.

Ohne Titel Skulptur Lofoten Norwegen

Ein weltberühmter Fußballplatz

Aber, weiter ging das große Staunen entlang der Fjorde und der bizarren Bergwelten bis nach Hennigsvaer, wieder so ein beliebter Hotspot bei den Touristenscharen. Der Ort liegt auf zwei Inseln, die über die B16 und über eine einspurige Brücke erreichbar sind. Große Fahrzeuge dürfen nur bedingt in den Ort rein fahren, was auch verständlich ist. Die Parkmöglichkeiten sind begrenzt und gehören vorrangig den Einwohnern des Fischerdorfes. Mit dem Motorrad war das kein Problem und schnell war ein kostenpflichtiges Plätzchen gefunden. Wir spazierten im Zentrum herum und besuchten die lokale Glasbläserei, die von zwei Frauen betrieben wird. Tolle Sachen, die dort produziert werden, nur leider nicht geeignet für den Transport mit dem Motorrad.

Auch wenn wir keine Fussballfans sind, den Platz mussten wir uns geben. Wir marschierten zum Fußballstadion von Hennigsvaer. Nachfolgend die Ode der FIFA über die besondere Spielstätte:

Henningsværs weltbekannter Fussballplatz betört die Sinne.

  • Der Fussballplatz des Ortes ist wegen seiner spektakulären Lage weltbekannt
  • Im Sommer kann der Platz wegen der Mitternachtssonne rund um die Uhr genutzt werden

Wer das Glück hat, selbst hier zu spielen, schwärmt von der salzigen Seeluft und dem Duft der Stockfische, die hier getrocknet werden. Der Klang des Balles beim Schuss und die Anfeuerungsrufe werden begleitet vom Kreischen der Möwen und dem Rauschen der Wellen, die an die Klippen schlagen.

Für uns Normalsterbliche ist der Platz einfach ein Fest für die Augen. Das sattgrüne ebene Spielfeld bildet einen fast surrealen Kontrast zu der schroffen Umgebung aus Fels, Meer und den majestätischen Bergen in der Ferne. Kein Wunder, dass dieses ästhetische Gesamtbild schon häufig als „schönstes Fussballstadion der Welt“ bezeichnet wurde.

Die Lage neben dem Leuchtturm und in dieser Umgebung ist sicherlich speziell. Auch wenn hier keine Weltmeisterschaft gespielt wird, für die lokalen Amateure und die Jugendmannschaft ist es eine wichtige Sportstätte. Langsam lichtete sich die Wolkendecke und der blaue Himmel begann das Meer tiefblau zu färben. Was für ein Anblick! Blauer und wolkenloser ging es nicht. Am Bankerl vom lokalen Seniorenverband (stand tatsächlich drauf) blickten wir auf das Meer hinaus und auf die Bergwelten, die in der Ferne zu sehen waren. Das erste Bier des Tages seit unserer Ankunft in Norwegen in der Sonne, liess sich der Bock-Chef natürlich nicht entgehen. Wir hatten uns den beschaulichen Ort Kabelvag nicht ohne Grund für einen Ruhetag ausgesucht.

Geld stinkt nicht

Bei den Reisevorbereitungen hab ich gelesen, dass in Kabelvag ein ganz neues Museum kurz vor unserer Ankunft eröffnet haben soll. Das stimmte zwar nur bedingt, denn die offizielle Eröffnung des Skrei Museums Otolith wurde auf September verschoben. Aber seit 30. Juni gab es ein Pre-Opening. Mit unserem Besuch am 3. Juli gehörten wir wohl zu den ersten Besuchern des neuen Museums. Es führte von unserem Quartier ein gemütlicher 20-minütiger Wanderweg direkt zum Museum, ein architektonisch unauffälliges schlichtes funktionales Bauwerk. Gezeigt und erzählt wird alles über die Herkunft des Skrei (norwegischer Winterkabeljau) und die Bedeutung für die Fischerei auf den Lofoten und für ganz Norwegen. Der getrocknete Fisch war die Grundlage für die Möglichkeit, sich so hoch im Norden überhaupt ansiedeln zu können. Es wurde nachgewiesen, dass sogar die Wikinger auf ihren Fahrten getrockneten Skrei dabei hatten. Auf den Lofoten sieht man in den Dörfern überall die Holzgestelle, wo der Fisch an der frischen Meeresluft getrocknet wird. Es wird heute noch immer wie damals gemacht. Den Geruch muss man wohl mögen. Der Spruch „Geld stinkt nicht“, leitet sich vermutlich von den Stockfischen ab, denn sie sind noch immer eine besonders begehrte Handelsware, mit dem man gut viel Geld verdienen kann.

Von einem Fisch zum anderen

Das Areal um das Skrei-Museum beherbergt noch andere interessante Attraktionen. Das Aquarium mit der Seerobben- und Fischotterstation. Eben dort wird derzeit ein neues Projekt für das Lachsfarming präsentiert. Über eine Virtualreality-Brille kann der ganze Prozess, von der Keimzelle bis zum fertigen Lachsfilet auf dem Teller anschaulich miterlebt werden. Besonders interessant ist, dass an einer mobilen Station geforscht wird, eine Lachsfarm, welche die Form eines Frachtschiffes hat. In das Gerüst sind die Fischtanks eingelassen und die Farm kann leicht den Standort wechseln. Das ist ein Vorteil, gegenüber den fix montierten kreisrunden Tanks, die man so überall sieht. Ausserdem schont die neue Farmingvariante den Meeresboden, weil die Kontaminierung durch Futter und Exkremente der Lachse nicht an einem Ort geballt stattfindet. Wir haben sogar später so ein Testschiff am offenen Meer gesehen. Wir essen gerne Lachs, daher ist es für uns richtig interessant zu erfahren, wie die Fische gehalten werden. 1,3 Millionen Tonnen Zuchtlachs kommen jährlich aus den norwegischen Gewässern auf unsere Teller. Dazu kommt noch der Wildlachs mit 250.000 Tonnen, somit ist Norwegen der größte Lachsproduzent weltweit.

Espolin

Ich sagte schon, dass es im Skrei-Areal noch viel mehr zu entdecken gibt. So die Kunstgalerie, die Kaare Espolin Johnson (1907-1994) gewidmet ist. Ab den 1950er Jahren wurde die Landschaft und das Volksleben der Lofoten sein Hauptthema in seinen Bildern.

Lofotenmuseum

Und noch was. Auch das Lofotenmuseum gehört zu der Skrei-Anlage in Kabelvag. An dem Platz war im Mittelalter die Siedlung Vagan. Von der ist natürlich nichts mehr zu sehen. Das gut erhaltene Herrenhaus stammt von 1818 und gehörte der Familie Wolff, der auch das Dorf gehörte. Das Fischerdorf Storvagan war im 19. Jhdt. ein Zentrum für Handel und Fischerei. Wolff war ein Geschäftsmann durch und durch. Er Vermietung die Rorbuer sowie die Trockenplätze an die Fischer, die im Winter wegen der Skreis kamen. Er kaufte sowohl frischen Fisch als auch Stockfisch von den Fischern zum Weiterverkauf. Dafür hatte er eigene Handelsschiffe, die nach Bergen fuhren. Der Unterschied zwischen den einfachen Fischerhütten und dem Herrenhaus sind ziemlich eklatant. Am Höhepunkt der Skrei-Fischerei lebten in dem Ort über 2.600 Leute, festen Wohnsitz hatten nur 120-130 Personen. Der Fischerdorfbesitzer war eine mächtige Person in der örtlichen Gemeinde. Er profitierte von seinem Handel manchmal auf Kosten der Fischer. Dennoch spielte er eine wichtige soziale Rolle und konnte den Fischern in schwierigen Zeiten Anerkennung und notwendige Hilfe anbieten. Umliegend sind noch die für einen Farmbetrieb nötigen Wirtschaftsgebäude (1850 und 1890) zugänglich. Bemerkenswert ist die Sammlung alter Fischerboote.

Die Svolvaer-Ziege

Unser Aufenthalt auf den Lofoten ging langsam zu Ende. Eine Attraktion gibt es noch. Wir sparten uns zwar den Aufstieg zum Svolvaergeita (die zwei Hörnchen auf dem Bild, Blick von unten), auch wenn der Felsen nur 150m hoch ist. Ich bin der Meinung, dass man dafür schon ein erfahrener Kletterer sein muss, auch wenn in dem Adventure-Prospekt stand: keine Vorkenntnissen nötig. Macht euch selber ein Bild. Würdet ihr zwischen den zwei Felszipfeln einfach so hin und her klettern?

Es geht demnächst gleich weiter über die Inseln Andoya und Senja – Region Vesteralen. Das Nordkap ist nicht mehr so weit entfernt.

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Ami + Pi reisen gemeinsam mit einer BMW GS 1200 Adventure seit 2013. Auch mit 66+ ist noch lange nicht Schluss.

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