Über die Fahrt von Trondheim nach Lund gibt es nicht viel zu sagen. Es hat den ganzen Tag nur geregnet. Dementsprechend nass war unsere Kleidung. Ich hab mich gar nicht getraut in das schicke Hotelzimmer rein zu gehen, daher hab ich alles gleich im Vorraum ausgezogen. So ein Käse, ewig dieser Regen. Wann wird’s mal wieder richtig Sommer (Schlager von Rudi Carell/1975)? Diese Frage stelle ich mir fast täglich, seit wir in Norwegen sind. Aber über Nacht kann sich das ja schlagartig ändern, wie man unten sieht.
Ankunft in Lund (am Abend)




Abfahrt in Lund (nächter Morgen)
Ein Tag zum Geniessen
Unsere nächste Etappe führte uns nach Tjotta. Wir wollten einfach die Landschaft geniessen. Nach Trondheim war verkehrstechnisch schon viel weniger los. Viele bleiben auf der Hauptstrecke, vielleicht weil sie weniger Zeit haben und ihre Tour zum Nordkap schnell durchfahren werden muss. Wenn die Campervans, deren gibt es extrem viele in Norwegen, sich nicht auf die einspurigen Landstrassen verirren, dann ist das schon gut so. Auf den Nebenstrassen trifft man immer wieder Radfahrer. In der alten Schule in Lund, die zu einem exklusiven Self-Check-in-Hotel umgebaut wurde, waren wir und ein Paar aus Vorarlberg die einzigen Gäste. Sie waren mit den Fahrrädern unterwegs und kamen auch total durchnässt an. Am Weg nach Tjotta haben wir sie wieder auf einer Fähre getroffen.







Pause und Jause
Norwegen ist bekanntlich teuer, daher verpflegen wir uns gerne mit selbst geschmierten Jausenbroten und Obst, das wir im Supermarkt eingekauft haben. Das ist doch um einiges günstiger. Kaffeehäuser gibt es so gut wie gar nicht. Gelegentlich findet man eine Bäckerei, aber wirklich nur gelegentlich. Oder manche Tankstellen bieten sich für Kaffeepausen an. Speziell in kleinen Orten, wo es einen kleinen Supermarkt gibt und sonst nichts, findet man angrenzend recht originell eingerichtete Kaffeestuben. Wie funktioniert das? Kuchen oder Sonstiges kauft man sich im Geschäft, den Kaffee bezahlt man auch dort. Und in der Cafe-Ecke gibt es eine Thermoskanne mit Kaffee, manche haben sogar einen Kaffeeautomat. Das schmutzige Geschirr stellt man in einen bereitgestellten Korb. Das Personal vom Supermarkt hat ein Auge auf die Cafe-Ecke, damit es ordentlich aussieht. Fertig! Diese Ecken sind scheinbar für die lokale Bevölkerung ein beliebter Treffpunkt. Ich finde das eine super Idee.


Warum Tjotta
Warum wir nach Tjotta fuhren hatte keinen besonderen Grund. Es passt von der Etappenlänge für unsere Weiterfahrt in den Norden. Große Hotelerie darf man sich in solchen Gegenden nicht erwarten, daher mieteten wie für eine Nacht ein Zimmer mit Gemeinschaftsbad im Gästehaus in Tjotta. Das Haus stammt aus dem 19. Jahrhundert und gehörte einst der wohlhabendsten Farmer-Familie Norwegens. Die geadelte Familie Brodtkorb kamen einst aus Deutschland nach Tjotta. Durch Heirat und regierungsnahe Beziehungen waren sie lange sehr angesehen. Wirtschaftliche Krisen brachten sie in finanzielle Schwierigkeiten. 1930 kauft die Gemeinde das Haus und seither wird es als Gästehaus geführt. Wenige Ausstattungsdetails von früher sind erhalten, der Großteil der original Möbel und Einrichtung wurde im Krieg geplündert oder zerstört. Heute wird es liebevoll von einer Dame geführt, die ihre Gäste auch bekocht. Die Räumlichkeiten sind ein Sammelsurium an alten Möbeln und Dekorationen, Spitzenvorhängen und Bildern, die stilistisch eher wenig zusammen passen. Aber man merkt die Liebe, die in dieses Projekt gesteckt wird, um es zu erhalten. Auch wenn man den Eindruck hat, dass der Ort Tjotta im Dornröschenschlaf liegt, der Ort hatte schon zu Wikingerzeiten große Bedeutung.






Warum schon wieder Regen
Ein Tag so (mit Sonne) und dann wieder saumäßiges Wetter! Ja, leider ist das so in Norwegen. Die Regentage überwiegen. Von der zauberhaften Küste können wir nur wenige berichten, es gab nichts zu sehen. Wir bewegten uns wieder entlang der nationalen Touristenstrasse und da gab es wenigstens wieder ein architektonisch erwähnenswertes Klo Hellaga. Landschaft und Meer verbinden sich mit der Landschaftsarchitektur. Das Klo greift die Wellenform des Meeres nochmals auf. Spannend, wenn man die Hintergründe des Architekten kennt. Auf der Etappe waren die Kaffee-Möglichkeiten sehr rar. Erst im Militärmuseum bei Gronsvik Kystfort konnten wir mit Filterkaffee und einer Waffel mit Marmelade das Geburtstagsereignis feiern und und etwas aufwärmen. Der Bock-Chef hat sich in einer kurzen Regenpause schnell das Fort angesehen. Der Ausblick WÄRE nicht schlecht gewesen.










Weiter ging die nasse Fahrt. Oh, von einem landschaftlich beeindruckenden Motiv können wir noch berichten, denn gerade, als wir beim Svartisen Gletscher vorbei kamen, legte der Regen eine gnädige Pause ein. Auch Norwegen ist nicht ausgenommen von der Schmelze der Gletscher, wie uns später der Besitzer von unserer Herberge Basecamp Gulbraka erzählte.


Natürlich nass trudelten wir im Quartier ein. Essen gab es von einem Fastfood-Takeaway-Standl im nahe gelegenen Glomsfjord (Supermarkt war leider zu), einer kleinen grau-in-grauen Industriestadt. Das Basecamp lag genau zwischen zwei langen Tunneln, die es noch gar nicht so lange gibt. Früher kam man nur mit dem Boot in diese Ecke des Fjords. In der Nähe des Camps befindet sich ein Wasserkraftwerk, das im Krieg zerstört wurde. Zum Wiederaufbau des Kraftwerks und für den Straßenbau wurde die Baracke (Basecamp) in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichtet. Der Besitzer der Unterkunft möchte den Spirit der Barakce erhalten und bemüht sich gekonnt, das Flair zu erhalten, aber den Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden. Es ist gemütlich, funktionell und hübsch hergerichtet. Der Ausgangspunkt eignet sich für zahlreichen Aktivitäten, geführte Gletscherwanderungen, Kajakfahrten usw. (Der Ausblick aus dem Fenster ist von Mitternacht!)



Neuer Tag noch mehr Regen
Weiter geht’s im Schnelldurchlauf. Ureddplassen, wieder ein tolles Klo-Häusel mit fantastischer Kulisse, sofern man sie sieht (ist und soll siehe unten). Aber warum heisst der Platz Ureddplassen. Es ist ein Platz der Erinnerung an die im zweiten Weltkrieg verunglückten Soldaten vom U-boot Uredd. Auf der Säule stehen die Namen der Besatzungsmitglieder und der Dorsch zeigt in die Richtung, wo das Boot gesunken ist.
Es ging hurtig weiter, weil der Regen wieder stärker wurde.



Kirchenensembel
Gildeskal ist eine Gemeinde, die bereits im 10 Jahrhundert bedeutend war. Die große, im romanischen Stil erbaute Kirche, wurde bewusst an der Stelle errichtet, weil sie sowohl vom Wasser als auch vom Land gut erreichbar war. Natürlich wurden die ursprünglichen Bauten aus Holz durch Feuer vernichtet und auch der steinerne Bau war von Bränden nicht verschont geblieben. Interessant waren die „Körbe“ im Innenraum. Das waren Logen für die reichen Leute. Die heutige Ausstattung stammt vom 17. Jahrhundert. Ende 19. Jahrhundert wurde näher beim Meer eine neue Kirche erbaut, die den neueren liturgischen Anforderungen entsprach. Das Pfarrhaus, alte Speicherbauten und ein Wirtschaftsgebäude gehören zu dem heute musealen Kirchenensemble.







Aufgewärmt, ging es wieder raus auf die Straße. Schnell nach Bodo ins Hotel. Den Besuch der Sky-Longe sparten wir uns. Wir setzten keinen Fuss mehr vor die Tür, wo nur Regen lauerte.
Auf zu den Lofoten
Von Bodo schipperten wir am nächsten Tag zu den Lofoten. Die Motorräder wurden fest mit Gurten festgezurrt. Die Seeleute wussten schon warum. Die Überfahrt war etwas stürmisch, was so manchem Passagier nicht gut bekam.

Aber wie es dann weiter geht, kommt im nächsten Beitrag.
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