Nach einer stürmischen Überfahrt rollten wir von der Fähre. Die frische Luft tat richtig gut. Dicke schwarze Wolken klebten an den schroffen Bergen. Der erste landschaftliche Eindruck der Lofoten hatte alle Erwartungen übertroffen. Einfach wow!
Bevor es jedoch zum Quartier ging, sammelten wir gleich noch ein paar weitere Bilder ein. Das kleine Fischerdorf A (ja, nur ein Buchstabe, wird wie Au ausgesprochen) ist heute ein Museumsdorf und ein beliebter Touristenhotspot. Gesehen haben sollte man die roten Rorbuer (Fischerhäuser), wenn man schon da ist.






Das nächste Bilderbuch-Motiv liess nicht lange auf sich warten. Ein Blick auf den Fjord und den Ort Reine durfte natürlich nicht fehlen. Handy raus und klick, klick von der Aussichtsplattform neben der Straße! Ins Zentrum drängten wir uns erst gar nicht rein, der Busparkplatz war ziemlich voll. Der Verkehr beruhigte sich, je weiter wir uns von den Hotspots entfernten.
Die rote Hütte
Und dann war sie plötzlich da – die rote Hütte am karibischen (sonnigen) Lofotenstrand. Genau das Foto wollte ich unbedingt haben. Ich hatte es bei den Vorbereitungen auf die Reise im Internet gesehen. Der Bock-Chef rauschte natürlich zügig vorbei. Beim Parkplatz bremste er sich ein, aber das war nicht der richtige Platz. Wir fuhren am Radweg ca. 50 m zurück. Ich wollte die richtige Position für das Foto haben. Perfekt. Die dunklen Wolken im Hintergrund machen das Bild noch dramatischer, finde ich. Happy ging es dahin nach Nussfjord vorbei an spektakulären Felswänden und weiter nach Ballstad zu unserer Rorbuer-Hütte, die für die nächsten Tage unser Stützpunkt war.




Ausflug der Lachsexperten
Ure, die Lachse und die Kunst. Ure ist ein winziges Dorf auf den Lofoten. Dort befindet sich das Lofoten Salmon Center, Forschungsstation und Lachsfarm zugleich. Neugierig, wie wir sind, haben wir im Firmengebäude an einem Test teilgenommen. Es war quasi ein Fragebogen, über die vermittelten Inhalte zur Lachszucht und den Vertrieb, die in den Schauräumen präsentiert werden. Alles richtig beantwortet, wir haben ein T-Shirt gewonnen! Bemerkenswert ist, dass Lofoten Salmon Isqueen ein großer Förderer von Kunst ist. Im Erdgeschoss der Firmenräumlichkeiten ist eine Galerie eingezogen. Derzeit werden Werke von Künstlerinnen ausgestellt. An jedem Bild haben zwei Frauen mit unterschiedlichen Nationalitäten gearbeitet. Über die Sommermonate kommen viele Gäste in den kleinen Ort, was natürlich eine gute Gelegenheit ist, auch Werke zu verkaufen und die Bekanntheit der Künstlerinnen zu steigern.










Strandhopping
Wir haben unsere zeitliche Fahrstrategie auf den Lofoten geändert. Nicht früh los fahren, sondern spät losfahren. Schönwetter war erst für den Nachmittag angesagt, also fuhren wir erst nachmittags los. Es ist hier sowieso lange hell, bzw. um diese Jahreszeit die ganze Nacht hell. Vor lauter Freude über die Sonne und den blauen Himmel fuhren wir von einem Strand zum nächsten. Es gibt eine Menge karibische Sandstrände auf den Lofoten, das hätte ich gar nicht erwartet. Egal, wie kalt das Meer ist, ich liebe es einfach auf die Wellen zu schauen. 9 bis 12 Grad ist sowieso nicht gerade meine Badetemperatur. Es war unglaublich schön. Endlich richtige Urlaubsglückseligkeit.














Landart
Über einige interessante Landschaftsarchitekturen entlang der nationalen Touristenstrassen habe ich schon berichtet. Aber es gibt auf den Lofoten einen Skulpturenpark, der ist nicht an einem einzigen Ort, sondern über der ganzen Region verteilt – Skulpturlandskap Nordland Lofoten. Der Kopf „Hode“ vom Schweizer Künstler Markus Raetz blickt an der Küste von Eggum einsam auf das Meer hinaus. Diese Skulptur wollten wir unbedingt sehen. Dafür steuerten wir den Rasteplass Eggum an, wo beim alten Fort eine amphitheaterartige Anlage mit einem kleinen Imbissgeschäft und natürlich moderne Klos errichtet wurde. Vom Parkplatz führt ein einen Kilometer langer Wanderweg zum „Hode“. Der Kopf ist ein Wunderwerk und bietet gleich 16 verschiedene Ansichten, wobei er von einer Seite sogar am Kopf steht. Ich habe euch Fotos und ein Video mitgebracht, weil die Skulptur so beeindruckend ist. Nachstehend eine kurze Erklärung, welche Idee der Künstler mit der Darstellung verfolgt.
In der Kunst von Markus Raetz geht es um das Sehen, darum, wie wir die Dinge um uns herum wahrnehmen. Dieser fortwährende Prozess des Wahrnehmens birgt eigentlich das Gefühl des Lebendigseins in sich und verleiht dem Leben Sinn. Raetz’ Kunst zeigt uns, dass die Welt voller Überraschungen steckt, wenn wir uns auf den Dialog einlassen, der durch unsere Sinne und unsere körperlichen Bewegungen entsteht. Wir erleben Überraschungen und werden daran erinnert, dass solche Erfahrungen auch in anderen Lebenssituationen möglich sind – sofern wir aufmerksam sind.
Und schaut nun selber, wie faszinierend der Kopf ist:












Soviel Strandluft machte müde, daher pilgerten wir glücklich nach dem schönen Tag zu unserem Rorbuer zurück. Auch in Ballstad leuchtete der Himmel um Mitternacht feurig orange. Gute Nacht!

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