Nur noch wenige Kilometer trennten uns vom Nordkap. Das oberste Ziel der Reise war buchstäblich zum Greifen nahe. Die Abreise von der Husky Farm war nicht ganz leicht, hatten wir doch den einen oder anderen Hund ins Herz geschlossen.
Mitgliederrekord
Von Alta ging es nach Hammerfest, das lange als die nördlichste Stadt Norwegens und Europas galt. Hammerfest wurde von Honnigsvar abgelöst, das 1998 zur Stadt erhoben wurde. Der Hauptgrund für den Abstechers war aber ein anderer. Wir wollten im Eisbären Club eine Mitgliedschaft zeichnen und das ist nur möglich, wenn man persönlich anwesend ist. Der Bock-Chef war der Meinung, ich brauche das unbedingt, weil ich bereits bei kühleren Wassertemperaturen (20 Grad +!!!) schwimmen gehe. Er sagt dann immer Frau Eisbär zu mir. Ich bin jetzt Mitglied Nummer 288.976 in The Royal and Ancient Polar Bear Society – Isbjornklubben. Ein Rentier, hatte sich zur Feier des Tages vis a vis vom Eisbär Club beim örtlichen Kulturzentrum mitten in der Stadt eingefunden. Zu erwähnen ist, dass der Eisbären Club weltweit die meisten Mitglieder hat.





Unerschütterlich bei Wind und Regen
Das war ja nichts Neues. Regen und kühle Temperaturen begleiten uns schon seit Beginn unserer Reise zum Nordkap. Die Fahrt über hochplateau-artige karge Landschaften ließ einen die Weite des Nordens so richtig spüren. Gerade in dieser Einsamkeit trafen wir eine wackere Radfahrerin, die ebenfalls unterwegs zum Nordkap war, Dagmar. Wir hatten sie bereits am 28.6. (jetzt 10.7.) beim Militärmuseum bei Gronsvik Kystefort, weit unten im Süden Norwegens getroffen. Damals kam sie ziemlich erschöpft und ebenfalls nass, wie wir, im Museum an, um sich mit Kaffee und Waffel zu stärken. Wir unterhielten uns und verabschiedeten uns mit der wagen Prognose: Wir treffen uns am Nordkap. Und jetzt so knapp vor dem Ziel war das eine richtige Freude, Dagmar nochmals zu treffen. Leider habe ich keine Telefonnummer mit ihr ausgetauscht, das tut mir wirklich leid, denn wir hatten auch vor am Sonntag, so wie sie, zum Nordkap rauf zu fahren. Aber es gibt wenigstens ein Foto, das wir schnell am Straßenrand gemacht haben. Vielleicht kreuzen sich unsere Weg nochmals. Schön wäre es.

Tata, jetzt wird es spannend
11.7., 17:30 Uhr: Ankunft in Honnigsvag in Vildes gemütlichem Appartement, bunkern von Proviant, um bei Kräften zu sein, wenn es richtig los geht.
11.7., 18:33 Uhr: Galamenü; Super gute mit Shrimps verfeinerte Thaisuppe um unter 100 Lappen und nur ein Bier des Tages. Nachspeise norwegische Erdbeeren (Jordbaeren).


11.7., 19:00 bis 22:30 Uhr: Karten gespielt zum Zeitvertreib.
11.7., Schlafen, um für den nächtlichen Aufbruch fit zu sein. Die Wetterprognose für den 12.7. sollte perfekt sein.
12.7., 3:15 Uhr: Tagwache, rein in die Motorradrüstung und rauf zum Nordkap. Warum so früh? Weil jeder, der es wirklich ernst meint, das eine Foto möchte: Motorrad und Fahrer ALLEINE (einsam) bei der Kugel. Die Wahrscheinlichkeit, den einen Schnappschuss tatsächlich zu bekommen, ist im „Morgengrau“ am größten. Ab 6:30 ist der Parkplatz bewacht! Wir rauschten bei einer Windgeschwindigkeit von 35km/h und einer Steigung von 9% völlig alleine die 31 Kilometer rauf zum Nordkap. Ziemlich frisch war’s, aber das war in dem Moment alles nebensächlich.
12.7., 4:12 Uhr, Ankunft am Parkplatz. Verdammt; jetzt geht’s nicht weiter. Eingesperrt am Parkplatz, so nah am Ziel! Wären wir doch über die Wiese gefahren. Zwischen den Bollern und dem großen Stein, das geht sich mit dem Bock nicht aus. Kurze Panik! Die Sozia hat schnell kombiniert und gehandelt. Holzlatte hoch und ausgefädelt, Bock durch und Holzlatte wieder rein. Hoffentlich hat uns niemand gesehen. Bock auf der richtigen Seite, Nordkap-Center auf der Schotterpiste umfahren, um zur Kugel zu kommen.


12.7., 4:18 Uhr: Wir waren angekommen. Niemand da.
Nur wir drei – Sozia/Bock-Chef/Der Bock!!!
Ami – Pi – Der Bock am Nordkap
Klick, Klick, Klick das wichtigste Foto war im Kasten. Und schon kamen die nächsten Frühaufsteher angerauscht. Somit bekamen wir auch ein Foto, wo wir alle drei drauf sind.



- Mit sechs Jahren Verspätung (2020 stand das Nordkap schon auf der Bucket List, dann kam C)
- 7.166 km hatten wir seit 4.6.2026 zurück gelegt
- 39. Tag waren wir schon unterwegs
- Nordkap 71° 10′ 21″ nördliche Breite
- 514 Kilometer nördlich des Polarkreises
- und rund 2100 Kilometer südlich des Nordpols
- Am 12. Juli 2026, um 4:18 Uhr haben wir das Nordkap erreicht.
Was ist das für ein Gefühl?
Ein so lange ersehntes Ziel erreicht zu haben, ist einfach Freude, es fühlt sich großartig an, es ist aufregend. Es spornt an, Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, Hindernisse zu überwinden, weil es meistens einen Weg gibt doch ans Ziel zu kommen. Es ist Dankbarkeit, dass wir es machen konnten und es ist Demut vor der Großartigkeit der Natur.
Bei der Rückfahrt zum Quartier in Honnigsvag machten wir noch ein paar Fotos von der Landschaft, um auch die Stimmung einzufangen.



Zurück im Quartier gab es ein deftiges Frühstück und dann wurde weiter geschlafen. Gegen Abend machten wir nochmals einen Ausflug zum Nordkap. Die Gelegenheit nochmals zum Nordkap rauf zu fahren, musste genutzt werden. Somit haben wir noch ein paar Impressionen von der Landschaft eingefangen. Dagmar haben wir leider nicht mehr getroffen. Schade.







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