Wichtige Reiseplanänderungen haben unseren Aufenthalt in Tromsö zu Gunsten von Alta verkürzt. Es blieb trotzdem genügend Zeit, um sich umzusehen und einen Eindruck von der Stadt zu bekommen. Ehrlich gesagt, ich war begeistert. Die Mischung aus alten Häusern und moderner Architektur, die vielen hübschen Geschäfte, die Lokale am Hafen, die Boote und Schiffe, all das gibt der Stadt ein sympathisches Flair. Das schöne Wetter sorgte natürlich zusätzlich für gute Stimmung.













Die Eismeerkathedrale (1965), das Wahrzeichen von Tromsö, war Pflicht. Die Tromsö-Brücke war für den motorisierten Verkehr vorübergehend gesperrt. Fußgänger und Fahrräder durften die Brua (norwegisch Brücke) benutzen. Vom Hotel im Zentrum zur anderen Seite war es ein angenehmer Spaziergang. Tja, was soll ich sagen? Ein Schiff der Reiseagentur „Mein Schiff“ (zwischen 2.500 bis 2.900 Reiselustige) ankerte gerade im Hafen, daher wurden unzählige Passagiere in Bussen zur Eismeerkathedrale chauffiert. Jede Gruppe durfte genau 10 Minuten in der Kirche bleiben! Wir blieben etwas länger! Das ist der Individualreisende-Bonus. Ich möchte immer bei so aussergewöhnlichen Bauwerken den Raum auf mich wirken lassen und das geht nur, wenn ich Zeit an dem Ort verbringe. Eine besondere Stimmung entsteht in der Eismeerkathedrale durch das Buntglasfenster, von Victor Sparrer, das 23 Meter hinter dem Altar aufragt. Erstaunlich, das Fenster mit dem Motiv Die Wiederkehr Jesu, wurde erst 1972 eingefügt. Die Begründung für die Änderung ist ganz profan, die Kirchenbesucher wurden von der Sonne geblendet, man muss dazu wissen, dass die Kirche geostet ist. Bei der ursprünglichen Ausführung war ein durchsichtiges Glas eingebaut, wie bei der Eingangsfassade. Das Mosaik ist eines der größten Glasgemälde Europas und besteht aus 86 rechteckigen Feldern. Insgesamt wurden elf Tonnen Glas verarbeitet. Wieder zurück auf der anderen Seite der Brücke schauten wir uns Das Tor zur Arktis von Marit Bockelie an.




Fähre oder Tunnel
Am Weg nach Alta schipperten wir mit zwei weiteren Fähren über die Fjorde. Angeblich waren das die letzten Fährfahrten auf unserer Norwegendurchquerung. Die noch schneebedeckten Berge spiegelten sich an der glatten Meeresoberfläche, während wir sachte dahinglitten. Die Hauptverbindungsroute nach Alta ist die E6. Bei Strassenbezeichnungen mit E würden wir eine Art Autobahn oder Schnellstraße vermuten. Ist es irgendwie auch, weil man darf gar 80 oder 90km/h fahren. Bei uns wäre so eine Straße eine ganz banale Bundesstraße. Das Verkehrsaufkommen so weit nördlich wurde immer weniger, daher ist wahrscheinlich eine bessere Straße kaum nötig. Außerdem, die Sommer sind kurz.
Ein weiteres straßentechnisches Phänomen sind die vielen langen Tunnels in Norwegen. Auf Senja alleine waren wir an einem Tag 25km in Tunnels unterwegs. Manchmal gibt es eine alte Straße, auf der man den Tunnel umfahren kann. Erst dann sieht man, was man verpasst, wenn man bei Schönwetter in der Röhre fährt. Beim Kvaenangsfjelltunellen (3.350m) bogen wir ab und überquerten das Kvaenangsfjellet auf 401m Höhenmeter. Belohnt wurden wir mit einem phantastischen Ausblick und einer riesigen Rentierherde (leider auf den Fotos nicht so gut zu erkennen).






Work and Travel in Alta
Wie schon eingangs erwähnt, mussten die Reisepläne geändert werden. Der Bock-Chef war anfangs etwas verwundert. Warum Alta, wenn doch Tromsö viel mehr zu bieten hat? Ich musste die Karten auf den Tisch legen, sein Geburtstagsgeschenk wartete in Alta auf ihn. Ich hatte uns in der Holmen Husky Lodge eingebucht. 120 Alaska Huskys und zwei Puppies wollten gestreichelt und beschäftigt werden. Die Hunde auf der Holmen Husky Farm werden ausschliesslich für den Finnmarkslopet, die Weltmeisterschaft im Langstrecken-Hundeschlittenfahren – gezüchtet und trainiert. Es gibt zwei Kategorien. Eine Fahrt geht über 1.200km und wird mit 14 Hunden gefahren. Die zweite Fahrt geht über 600km und wird mit 8 Hunden gefahren. Die Hunde sind richtige Athleten, sie müssen die ganze Strecke (natürlich mit Pausen) durchhalten, es darf kein Hund getauscht werden. Verpflegung und Unterbringung wird alles auf den Schlitten mitgenommen. Nur wenige Sachen können auf Zwischenstationen, wenn es welche gibt, deponiert werden. Das Rennen geht über mehrere Tage, je nach Distanz. Die Hundeteams erreichen Geschwindigkeiten bis zu 12km/h. Die Veranstaltung findet immer Anfang März, bei winterlichen Temperaturen statt. Die Familie Jaeger macht das schon seit mehreren Generationen. Ihre Huskys haben immer wieder gute Plätze erreicht.







Wir wurden herzlichst empfangen. Die Hunde sind sehr quirlig und anhänglich. Man merkt ihnen die Begeisterung und die Freude an, wenn sie für die Schlittenfahrt vorbereitet werden. Im Sommer fetzen sie mit einem Wagen durch den Wald. Braga, der Führer und Besitzer, steuert das Fahrzeug und gab die Kommandos. Wir waren mit einem 8-er Gespann unterwegs. Die kräftigsten Hunde werden gleich vor dem Wagen/Schlitten gespannt, dann kommen die Sprinter und ganz vorne sind die Teamleader, die die Befehle vom Musher/Führer befolgen. Unser Huskyteam konnte es kaum erwarten, das war ein Gebelle und Geheule, bis der letzte Hund eingespannt war. Und dann zischten wir raus ins Gelände. Coole Sache so eine Dry Musher Fahrt mit den Huskys.








Am Nachmittag waren wir als Dogwalker unterwegs. Jeder bekam einen Hund. Es ist nicht zu unterschätzen, wie kräftig die Tiere sind. Ich dachte, es wäre ok, den Hund an der Leine zu führen, so wie ich es von meinem Hund früher gewohnt war. Bald gurtete ich Messi an den Bauchgurt, den mir die Tiertrainerin in weiser Voraussicht mitgegeben hatte. Es hat Spass gemacht, mit den Huskys unterwegs zu sein. Fast hätten wir den Weg zurück nicht gefunden, weil es so viele Abzweigungen gab. Die Hunde wussten aber genau, wo’s lang geht. Auf der Husky Farm gibt es jeden Tag viel Bewegungsprogramm für die Hunde und das macht hungrig. Ein jeder Hund hat seinen eigenen Futternapf, der mit Frischfutter gefüllt wurde. Satt und müde knotzten sich die Huskys in ihre Hütten und träumen wahrscheinlich vom Iditarod, dem wohl härtesten Hundeschlittenrennen in Alaska.


Wir waren auch hungrig. Tina hatte in der Zwischenzeit einen Rentierspezialität für uns gekocht. Hm, hat das geschmeckt. Wir knotzten uns in unserer Waldlodge auf das gemütliche Sofa. Das muss ich noch los werden. Das spezielle Holz für die Luxushütten stammt aus dem Stora Enso Werk in Ybbs (kein Scherz). Wie klein doch die Welt ist.

Die Holmen Husky Farm war ein besonderes Erlebnis, an das wir uns gerne noch lange erinnern werden.
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