Das Nordkap ist im Rucksack der Erinnerungen gut verstaut für die Heimreise. Honnigsvag verabschiedete uns mit einer wunderschönen Mitternachtssonne (siehe Foto). Es geht von nun an wieder südwärts. Mir kommt immer vor, wenn der weitest entfernte Punkt einer Reise erreicht wurde, vergeht die Zeit auf der Fahrt zurück viel schneller. Und dabei ist es egal, ob das Ziel vor der Reisehalbzeit, zur Halbzeit oder danach erreicht wurde. Irgendwie ein Phänomen! Geht es euch auch so? Ihr könnt mir gerne zu euren Erfahrungen eine Nachricht schicken.
Die fast 100 km zwischen Honnigsvag und Olderfjord führten entlang der Meeresküste. Das Meer lag ruhig in den Buchten und glitzerte im Sonnenlicht. Eine einsame Gegend, zwischen den beiden Orten befinden sich nur eine Hand voll Häuser, ein karger dünn besiedelter Landstrich. Die weiteren 70 km nach Lakselv waren nicht viel anders. Nach weiteren 70 km erreichten wir Karasjok, wo sich das Sami Parlament befindet. Die Samen leben in Norwegen, Finnland, Schweden und Russland. Sie besiedelten schon lange bevor die Grenzen gezogen wurden die Regionen. Das Gebäude wurde offiziell im November 2000 eröffnet und erinnert in seiner Form an die traditionellen samischen Zelte. Das Parlament ist in erster Linie ein politisches Organ zur Förderung der Interessen, Kultur und Sprache der Samen. Das Sami Parlament hat zwar kein Vetorecht gegenüber Beschlüssen der Norwegischen Regierung, auch wenn es die Sami-Kultur betrifft, aber es gibt ihnen das Recht angehört zu werden. Angeschlossen an das Parlamentsgebäude sind noch eine architektonisch sehr schön gestaltete Bibliothek und Verwaltungsgebäude.




Die ersten Eindrücke von Finnland
Bald nach Karasjok überquerten wir die Grenze nach Finnland. Das Wetter war trocken, also nichts wie ab ins Grüne. Der Bock-Chef strahlte wieder mal über’s ganze Gesicht. Abseits der Hauptstrasse tat sich eine Naturstraße auf, die 9704. Ja, sie hatte eine Nummer, und das heisst, dass es eine offizielle Straße ist. Sie führte entlang des Grenzflusses Inarjoki der zwischen Finnland und Schweden fließt. 100 km Fahrvergnügen mit ein bisschen Staub, viel Wald, Fluss-Geplätscher, zwei entgegenkommende Autos, ein finnischer Motorradfahrer, ein paar fragwürdige Verkehrszeichen, an einer Kreuzung im Nirgendwo (keine Häuser nichts zu sehen), eine 100m-lang gültige 50er Beschränkung. Vielleicht eine vorsorgliche Maßnahme, falls irgendwann Mal ein Elch hier die Straße queren möchte. Mit den Elchen, das ist so eine Sache, ich habe möglicherweise am Stadtrand von Tromsö einen gesehen, beschwören kann ich’s natürlich nicht. Wir waren schnell unterwegs. Sonst nirgends eine Sichtung, keine einziger Elch in ganz Norwegen, nichts! Jetzt würde es schon langsam Zeit, dass sich einer blicken lässt. Wir gingen auf Nummer sicher und brachten unseren eigenen Elch mit nach Finnland. Der passt gut in diese Gegend.




Noch ein paar Kilometer waren nach der Naturstraße auf Asphalt zurück zu legen. Den Nächtigungsstopp machten wir in Inari in einem schicken Hotel am rauschenden Fluss. Ein köstlicher Rentierbraten und ein Fisch aus dem nahe gelegenem See erfreuten unsere Gaumen.




Die nächsten 355 Kilometer in Finnland
Was soll ich sagen? Anstrengend langweilig und ermüdend, immer gerade dahin, links Wälder, rechts Stauden, ab und zu ein See, Parkplätze ohne Klo, ein kleines Kaffeehaus an dem wir vorbei fuhren. Da kam das Skigebiet Saariselkä mit der Vermessungsstelle am Kaunispää, der höchsten Erhebung weit und breit mit 438m, sehr gelegen. Auch wenn die Pause nur einen Apfel lange dauerte, wir fuhren wenigstens drei langgezogene Kurven den Hügel hoch und ließen den Blick über das weiter Land schweifen. 70 Kilometer hatten wir schon geschafft.


Weiter ging es wieder gerade dahin. Dann nach 35 km – Tankavaara! Wollten wir da nicht 2020 schon hin, um unser Glück als Goldgräber zu versuchen? Die Reise in den Norden fiel ja wegen C damals ins Wasser. Wenn wir schon da sind, warum nicht, ein Schwenk nach links in das Goldgräberdorf Tankavaara. Einen Kaffee konnte ich mittlerweile auch schon vertragen. Gleich beim Parkplatz mampfelte ein Rentier direkt bei einem Hauseingang, sehr witzig. Dann machten wir uns auf den Weg in das Dorf und zum Goldmuseum. In Lappland wurden schon in den 1860er Jahren beim Fluss Ivalo Gold gefunden, was einen Goldrausch auslöste. In Tankavaara wurde erst in den 1930er Jahren Gold gefunden. Die Vorkommnisse waren nicht sehr ertragreich. 1970 wurde das Dorf für touristische Zwecke reaktiviert. Zeit hatten wir, um noch ins Goldmuseum zu schauen. Interessant fand ich, dass nicht nur die Geschichte von Tankavaara erzählt wurde. Die Goldfunde, die im 19. Jahrhundert richtige Goldräusche in Amerika auslösten. Oder Zustände beim Goldbergbau in Peru, Brasilien, oder China, das heute der größte Goldminenbesitzer ist.











Ok. Das war alles recht interessant, aber auf uns warteten noch 250 Kilometer. Was soll ich sagen? Anstrengend langweilig und ermüdend, immer gerade dahin, links Wälder, rechts Stauden, ab und zu ein See, Parkplätze ohne Klo, ein kleines Kaffeehaus an dem wir vorbei fuhren.
Aber ich wusste, unsere Minivilla in Muurola bei Rovaniemi wird uns für alle Strapazen entschädigen.

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