Die letzten Kilometer in Schweden lagen vor uns. Die Tagsetappen mussten grundsätzlich länger werden, denn fast 2.000 km lagen für die Heimreise auf Achse noch vor uns. Das bedeutete weniger Besichtigungsprogramm, viel fahren. Zum Abschied gab’s nochmals zwei kurze Fährfahrten (seit Norwegen gab es eh keine Fähre mehr) und natürlich wurde noch hurtig eine Naturstrasse eingebaut, bzw. hatte die der Meister Garmin ganz alleine gefunden, hahaha!!! Das Wetter war prächtig und die Temperaturen näherten sich der 20 Grad-Marke. Für uns war das ganz ungewöhnlich, nach dem kühlen Sommer, den wir bisher erlebt hatten. Unglaublich, die warmen Sachen konnten tatsächlich weggepackt werden. Ausserdem war in Südschweden die „Was soll ich sagen – Phase“ vorbei. Die Strassen schlängelten sich kurvig zwischen den Feldern und Wäldern dahin. Mal ging es Hügel auf und dann wieder Hügel ab.

Richtig beschwingt waren wir unterwegs. Alles war so, wie wir es bei Inga Lindström gesehen hatten, die roten Häuser, die Bilderbuchidylle und Boote auf den Seen. Das einzige was ich vermisste, waren diese von schönen Leuten neu eröffneten putzigen Cafes irgendwo in der Einöde. Die gibt es nämlich nirgends in ganz Schweden. Das ist wirklich eine Marktlücke. Und wenn es wo Kaffee gab, dann war der meist eine dünne Brühe, nicht das, was ich unter Kaffee verstehe. Sei’s drum, die Kaffeedurststrecke ist in ein paar Tagen überstanden.

Die erste Heimreise-Etappe endete in Oskarshamn mit Stiefelbier in der Sonne (siehe Bier des Tages 2026).

Am Schrottplatz

Von Oskarshamn bis Malmö gab’s nochmal was zum Anschauen und zwar einen Schrottplatz. Ich glaube einen Beitrag dazu auf Arte gesehen zu haben und der Bock-Chef meint, in seinen Motorradheften steht auch was drinnen. So kommt es, dass Bilkyrkogard eben kein Geheimtipp mehr ist. Es gibt einen Parkplatz und sogar ein offizielles Strassenschild zur Zufahrt. Aber was hat es mit dem Schrottplatz auf sich, dass so viele den sehen wollen?

Ake war ursprünglich Torfstecher und hatte mit den Schrotteilen zusätzlich Geld verdient. Trotzdem lebte er in einer einfachen Hütte am Gelände, bis er 1992 in ein Altersheim zog. Der Nachbesitzer bekam mit der Behörde wegen Umweltunverträglichkeit Probleme, jedoch wurde der kulturhistorische Wert der alten Autos von der Behörde anerkannt und sie stehen bis 2050 unter Schutz. Bis dahin wird vermutet, dass die Fahrzeugreste auf dem torfigen Boden völlig von der Natur zurückerobert sind. Da das Gelände jederzeit öffentlich zugänglich ist, haben Vandalen und Diebe den Wracks schon zugesetzt. Trotzdem ist es ein Ort mit einer besonderen Aura. Die nachfolgende Geschichte habe ich euch direkt vom Schrottplatz mitgebracht, weil sie mich bewegt hat und auch nachdenklich macht.

Eine einzigartige Fotografie
Eine Geschichte von Kerstin Bergtsson

„Als ich vor einiger Zeit mein Elternhaus in Ryd besuchte, landete ich zufällig, an einer Nebenstraße auf diesem Parkplatz“.Hier und im umgebenden Wald standen rund 100 Autos, die alle schon viele Jahre auf dem Buckel hatten. Es sah aus, als hätten die Halter ihre Wagen nur kurz abgestellt, um gleich weiter zu fahren – aber irgendwas war wohl dazwischen gekommen und niemand war je zurück gekehrt.

Bilkyrkogard Ryd Schweden

Die sowohl rätsel- als auch schicksalhafte und ein wenig gespenstische Stimmung nahm mich in Beschlag. Die Stille der Natur steht in einem scharfen Kontrast zu den Spuren der Vergänglichkeit, die der Mensch hinterlassen hat.Langsam aber sicher übernehmen Büsche und Bäume wieder die Herrschaft und es wird nicht mehr lange dauern, bis die Vegetation die alten Autos unter sich vollkommen begraben haben wird.

Nach zahlreichen Besuchen hatte ich mich mit Ake, dem Herrn dieses Ortes ein wenig angefreundet. Ich durfte mich auf dem ganzen Gekände bewegen und bekam schliesslich die Erlaubnis , ein Foto von ihm aufzunehmen.“

(1970 Jahre)

Bilkyrkogard Ryd Schweden

Fast schon andächtig stiefelten wir durch den Wald und dann auch fast mit ein bisschen schlechtem Gewissen, wegen der Umweltverschmutzung. Es war ganz eigenartig. Plötzlich wurde die Stille von Tönen durchbrochen, die zu einem Kunstprojekt gehörten, das perfekt zu der morbiden Stimmung passte. Cars Choir Redemtion Sound by Mons Niklas Schak, mein Video ist mit Originalton aufgenommen.
Der Stopp am Schrottplatz hatte sich auf alle Fälle ausgezahlt. Am Parkplatz gab’s noch ein paar Oldtimer-Schmankerl zu sehen. Die wurden aber von ihren Besitzern gerne wieder mitgenommen.

Letzte Station in Schweden – Malmö

Bevor es am nächsten Tag auf die Fähre nach Polen ging, machten wir noch einen Overnight-Stopp in Malmö. Die Stadt besticht durch die schönen historischen Häuser, das quirlige Stadtleben und die Lage am Meer. Unser Hotel lag ziemlich im Zentrum. Der Parkplatz in der Garage für den Bock war fast größer wie unser Zimmer. Ich bin sicher, wir hatten noch nie so ein kleines Zimmer, 10 Quadratmeter mit Bad und (Wasch-)Klo. Wir mussten uns ausmachen, wer sich wo hinstellt, damit man aneinander vorbei kam. Vergesst nicht unsere Motorradkleidung musste auch wo untergebracht werden. Wie tröstlich, es war ja nur für eine Nacht. Preis-Leistung waren dafür sehr in Ordnung. Prost mit Negroni!

Malmö-Impressionen

Und dann war es so weit, ab auf die Fähre nach Polen. Ihr fragt euch vielleicht, warum wir wie die Hafenarbeiter mit gelben Jacken bekleidet sind? Schwedische Vorschriften! MotorradfahrerInnen müssen die Warnweste aus Sicherheitsgründen tragen, auch bei der eskortierten Fahrt zum Schiff. Hallo, unsere Kleidung hat Protektoren und Reflektoren! Die Autofahrer konnte mit den kurzen Hosen, T-Shirts und Schlapfen überall zwischen den Fahrzeugen ohne Warnweste herumgehen. Nun ja, irgendwer war scheinbar da ganz schlau. Wir waren startklar und glitten durch die Öresundbrücke in Richtung Polen.

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Ami & Pi

Ami + Pi reisen gemeinsam mit einer BMW GS 1200 Adventure seit 2013. Auch mit 66+ ist noch lange nicht Schluss.

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