Zwei Monate sind zu schnell vergangen. Nur noch drei Tage trennten uns vom Ende der Reise. Ein wenig Wehmut plagt uns, dass die große Fahrt von heuer schon vorbei ist. Bei der Ankunft in Swinemünde/Polen schlugen uns bereits 36 Grad ins Gesicht. Von 3 auf 37 in wenigen Tagen ist schon eine ganz schöne Steigerung. Da rückten die Erinnerungen an die kühlen Tage vom Anfang der Reise ganz schnell in den Hintergrund. Überlegungen, was man noch ausziehen könnte war vorrangig. Wie schon im vorherigen Betrag erwähnt, mussten wir Kilometer machen. Die erste Etappe auf polnischen Boden führte entlang der nahe gelegenen deutschen Grenze südwärts bis nach Zary/Sorau, ein hübsches Städtchen, das auch schon bessere Zeiten erlebt hatte. Mit wirtschaftlichen Veränderungen in der Textilbranche und mit dem Zeiten Weltkrieg war der Abstieg besiegelt. Für mich ist es fraglich, ob eine Geldspritze die historische Substanz retten könnte. Wenn ja, dann müsste das Geld bald zur Verfügung stehen.


Es ging kurvig dahin, Mal in einem Wäldchen, dann wieder zwischen den trockenen gelben Kornfeldern, natürlich gab es auch ein paar Regentröpfchen, aber Gott sei Dank nichts Bedrohliches. An den unerklärlichen Staus schlängelten wir uns vorbei, denn bei den Temperaturen war es nicht ratsam, in der Motorradmontour in der Sonne zu braten. Die paar Fotos entstanden entweder beim Fahren oder aus der Hüfte geschossen bei einer der kurzen Trinkpausen.



Durch Polen waren wir durch, Tschechien lag vor uns
Seit 40 Jahren wollte ich nach Telc, eine Stadt in Südböhmen, gar nicht weit von der österreichischen Grenze entfernt. Diesmal konnten wir es kurzfristig als unseren letzten Overnight-Stop einplanen. Das war auch gut so, denn zufällig landeten wir im Telcer-Sommer-Festivalreigen.
Wir schauten uns die Drachenbootsregatta an und mischten uns in das gesellige Treiben am Stadtplatz. Nun war klar, warum es nicht so leicht war, ein Zimmer zu bekommen. Es war echt viel los. Beim „Schwarzen Adler“ (ich glaub den gibt es auch überall) musste ich ein Gulasch und ein Bier bestellen. An das hatte ich ganzen Tag bei der Fahrt schon denken müssen. Smacznego, würde der Pole sagen, aber wir waren ja schon in Tschechien, also dann „dobrou chuf“ (Guten Appetit). Telc sieht uns sicher wieder, wir waren richtig begeistert.








Es kam mir vor, dass jede Verlängerung der Reise willkommen war, um noch fort bleiben zu können. Vielleicht wurde daher noch ein kleiner Umweg eingeschoben. Wir fuhren zum Schloss Cervena Lhota, ein kleines Märchenschlösschen auf einem Felsen umgeben von einem Wassergraben. Leider war im Moment kein Wasser drinnen, nicht weil es zu trocken war, sondern wegen Sanierungsarbeiten. Das war beruhigend, denn ein Wasserschloss ohne Wasser, ich weiss nicht. Märchenschloss passt gut, denn Cervena Lhota war schon Filmkulisse bei diversen Märchenfilmen (Prinzessin auf der Erbse). Vor über 20 Jahren war ich schon Mal da, da war touristisch nicht viel los. Das hat sich ziemlich geändert, Ferienzeit und Sonntag, da bot sich ein Ausflug förmlich für viele Familien an. Bei einer geführten Tour konnte man das Interieur anschauen. Besonders interessant fand ich die kleine Ausstellung, über die Kaukasus-Reise um die Jahrhundertwende (19./20.Jhdt). Schon in Geiranger in Norwegen, waren die Reisetätigkeiten der Adeligen und Wohlhabenden Thema.








Und dann rauschten wir über das Waldviertel runter zur Donau an den heimatlichen Strand. Keine Baustelle war unüberwindlich, auch wenns nur der provisorische Radweg war. Es ging heimwärts!



Aus die Maus! Zwei Monate waren durch und damit beginnt wieder der (berufliche) Alltag.


11.975 unfallfreie Kilometer lagen hinter uns. Schön war es, zu kurz war es, neue Ideen werden schon angedacht. Mal sehen, wieviele Kilometer in Zukunft vor uns liegen werden.
Danke an die lesende Reisegesellschaft, die uns wieder begleitet hat. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass ihr dabei seid.
Ami & Pi & Der Bock
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