Bei einer Reise nach Norwegen gehört Bergen unbedingt eingeplant. Wir wohnten etwas ausserhalb in einem schicken Vorort. Pluspunkte bei unserem modernen Appartement waren die Waschmaschine und eine kostenfreier Parkplatz. Ausserdem war es urgemütlich und geschmackvoll eingerichtet, trotz der IKEA-Vibes. Wir hatte unglaubliches Glück, dass endlich nach den Regentagen die Sonne raus kam. Ein Norweger hat uns erklärt, dass es in Bergen mindestens 250 Regentage pro Jahr gibt. Nun gab es endlich Sommerfeeling, perfekt für eine Stadtbesichtigung ohne Regenjacke und Schirm. Mit dem Autobus fuhren wir knapp eine Stunde ins Stadtzentrum. Bergen breitet sich auf mehreren Halbinseln und Inseln aus, ganz ungewohnt für uns. Die Stadt besteht aus mehreren Kommunen und ist die zweitgrößte Stadt in Norwegen. Angekommen im Bryggen, dem alten Hafen im Zentrum, mischten wir uns unter die zahlreichen Touristen, bestaunten die bunten Häuser, die Boote im Hafen, kauften Souveniere und gönnten uns Kaffee und Kuchen in der Sonne. Herrlich! Interessant war der Besuch der Festung Bergenhus mit dem Rosenkrantz Turm. Über enge Treppen steigt man in dem Turm hoch. Wir waren buchstäblich überrascht, wie geräumig die verschiedenen Etagen waren. Der Rosenkrantz Turm wurde nämlich um 1560 vom Schlosshauptmann zu Bergenhus, Erik Rosenkrantz, als ein kombinierter Festungs- und Wohnturm errichtet.

Design Business in Bergen

Bei unserem Spaziergang durch die Altstadt kamen wir bei einem Pop-up-Store vorbei. Designpieces und Antiques stand auf dem Plakat. Da musste ich einfach rein schauen. Herr Meyer, ein begnadeter Sammler und Forscher für Skandinavisches Design hat hier eine Verkaufsausstellung vom Feinsten präsentiert. Zahlreiche Objekte liessen mein Interior Designerinnen Herz gleich höher schlagen. Wir haben uns gut unterhalten und unsere Kontakte ausgetauscht. Wer weiss, vielleicht kommen wir mal ins Geschäft.

Ein Sonntag in Bergen

Wie verbringen die Bergener den Sonntag, wenn endlich der Sommer angekommen ist? Sie packen Proviant in ihre Rucksäcke und fahren mit der Floibanen rauf auf den Berg, gehen wandern, liegen in der Sonne und essen ein Eis. Die Kinder nehmen besonders viel Rainbow Candy Zucker auf ihre Tüten. Genauso haben wir’s auch gemacht und genossen nach der Stadtrunde den Sonntag im Grünen am Berg mit einem spektakulärem Blick auf Bergen. Ich hatte den Eindruck, dass die ganze Stadt unterwegs war.

Bergen ist wirklich eine Reise wert. Leider mussten wir wieder alles einpacken, denn bis zum Nordkapp ist es noch weit.

Beim Motosykkle Schrauber

Bevor wir jedoch Bergen verließen, fuhren wir zu einer Motorradwerkstatt, weil der Bock ein neues Scheinwerferlamperl brauchte. Ihm war buchstäblich das Licht ausgegangen. Vor ein paar Jahren hatten wir schon in Griechenland das gleiche Problem und (erfolglos) versucht die Lampe selber zu tauschen. Ein Mechaniker macht das ratz-fatz. Der Bock-Chef hatte eine Motorradwerkstatt raus gesucht, die laut Goggle auch BMW-Erfahrung hat. Ja, es war eine richtige Schrauber-Werkstatt. Der Besitzer der One-Man-Werkstatt, ein älterer Herr mit Altrocker-Frisur, Pudelhaube, zwei Brillen übereinander und runter rutschender Schlosserhose, hatte den Fehler rasch gefunden. Die Lampe war durchgeschmolzen, ein Plastikteil ist kaputt, und die Halterung für die Glühbirne musste neue fixiert werden. Ein paar Schrauben da gelockert, ups, da ist jetzt was runter gefallen. Das Windschild musste abmontiert werden, ok? Ups, da ist jetzt noch eine Klemme runter gefallen. Der Tacho gehört auch abmontiert, damit man überhaupt zum Scheinwerfer rankommt. Ich hatte das Gefühl, der Bock wird in seinen Einzelteilen zerlegt und eigentlich sollte nur eine Lampe getauscht werden. Die abmontierten Teile waren sorgfältig auf den Sitzbänken der herumstehenden Motorrädern verteilt. Hoffentlich weiss der gute Mann, was wo hingehört, hab ich mir gedacht. Ich glaube dem Bock-Chef war auch schon mulmig. Zwei weiter Kunden wurden weggeschickt, weil die Reparatur noch eine Weile dauern würde. Ich glaub, ich muss jetzt auf’s Klo. Der Altrocker meinte, ich soll die Stiegen rauf auf die Strasse gehen und dann bei der Ampel rüber zum ApaTann, da gibt es eine Toilette. Okay! Das Schild hab ich gefunden, ich gehe in das Gebäude in den ersten Stock, läute bei ApaTann. Sieht aus wie eine Zahnarztpraxis? Ich hab die Assistentin gefragt, sie war zwar etwas verdutzt, aber ich durfte in der Tat die Toilette benutzen. Gut, das hat ja geklappt! Zurück bei der Werkstatt. Noch einen Draht abzwicken, eine neue Klemme drauf, die Birne rein, den Tacho wieder montieren, in der Zwischenzeit haben wir die runtergefallenen Teile wieder gefunden, noch eine Schrauberl aus dem Fundus der Werkstatt und Scheinwerfer an? Nix! Ah, das Motorrad starten, damit es resettet und tata es wurde Licht. Der One-Man-Werkstattleiter hat gleich alles mitrepariert, was der BMW-Werkstatt nicht aufgefallen ist. Ein toller Typ, eben eine richtige Schrauber-Werkstatt!

Beim Schrauber Norwegen

Der Bock leuchtet wieder, was hier in Norwegen auch ganz wichtig ist, weil wir immer wieder durch lange Tunnel fahren werden.

Auf zu neuen Etappen. Es bleibt spannend.

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Ami & Pi

Ami + Pi reisen gemeinsam mit einer BMW GS 1200 Adventure seit 2013. Auch mit 66+ ist noch lange nicht Schluss.

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