Der Bock war wieder fit für die nächsten Etappen und die führte uns zu einer weiteren Stabkirche. Fantoft liegt am Rande von Bergen versteckt in einem Waldstück nahe einer modernen Wohnhausanlage. Das Bauwerk ist großteils ein Nachbau der kleinen Kirche aus dem frühen 13. Jahrhundert von Fortun, einer entlegenen Gemeinde beim Sognefjord. Die Geschichte der Fantoft Stabkirche liesst sich wie ein Roman. Klickt ruhig den Link an. Es würde zu lange dauern, bis ich hier alles aufgelistet habe, was der kleinen Kirche alles passiert ist.





Wir müssen weiter, aber wie
Irgendwie hab ich den Eindruck, dass wir nicht weiter kommen. Es gibt sooooo viel zu sehen und zu entdecken. Vor allem bei sonnigem Wetter macht es viel mehr Spass irgendwo stehen zu bleiben und einfach die Natur auf sich wirken zu lassen. Ein Magnet sind vor allem die vielen Wasserfälle, die über die hohen Felswände überall runter stürzen, manchmal wie dünne weisse Fäden und dann wieder kommen sie mächtig breit mit tosendem Geräusch und Nebelfontänen daher. Ein paar Fossen werden schon noch im Fotospeicher landen, bis wir ganz im Norden ankommen.





Einmal fahren wir hoch oben und dann wieder ganz unten. Auch wenn die Berge nicht ganz so hoch sind, wie sie scheinen, wirken sie wegen der Kargheit auf mich wie bei uns im Hochgebirge. Hier macht es der Unterschied aus, dass die Berge aus den Fjorden hochsteigen, also direkt vom Meeresspiegel weg. Wir folgten der Strasse mit der Nummer 5442 auf ein almiges Hochplateau. Die Schneeschmelze dürfte erst ein paar Tage zurück liegen, einige Schneereste waren noch zu sehen und die Vegetation war erst am Erwachen.
Diesmal mussten wir tatsächlich auf einen Campingplatz mangles alternativer Quartiere in der Gegend ausweichen. Das einzige Hotel in der Umgebung, das wir gebucht hatten, wurde im April verkauft und scheint jetzt geschlossen zu sein. Die kleine einfache Hütte in Botnen war für eine Nacht sehr okay. Besonders schön war die Lage direkt am Wasser. Besonders beindruckend war die Stimmung der Mitternachtssonnen. Der Bock konnte das in vollen Zügen geniessen. Wir zogen es vor, uns doch in unsere Kojen zu schmeissen und etwas zu schlafen.



Erwischt
Schon wieder ein Stopp und natürlich gab’s auch da ein paar Fotomotive. Das blaue Wasser der blaue Himmel, das orange Boot, welche Kontraste und im Hintergrund ein Kirchlein. Gott sei Dank gibt es die Cloud mit ganz viel Speicherplatz. Ich hab mir zwar vorgenommen, weniger zu fotografieren, aber so ganz gelingt es nicht.


Und schon lauert die nächste Attraktion: Balestrand eine kleine Gemeinde direkt am Sognefjord. Um 1890 entwickelte sich der Ort zu einem Künstlerdorf. Schöne Villen und Hotels für den beginnenden Tourismus wurden gebaut. Das Hotel Midtnes – im Art Deco Stil gebaut, liegt gleich neben der anglikanischen St. Olavs-Kirche, eine Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Der Bau ist an den Stil der norwegischen Stabkirchen angelehnt und wurde zum Gedenken an die englische Bergsteigerin Margaret Sophia Green Kvikne (1850–1894) erbaut, die 1886 als Touristin nach Norwegen kam und blieb. Die Rundbogenfenster an der rechten Seite bieten einen schönen Blick auf den Fjord. Wenn die Messe zu lange wurde, war das sicherlich ein schöner Ausblick zum meditieren. Noch wird die Sicht von keinem Kreuzfahrtschiff verstellt, die haben den idyllischen Ort noch nicht entdeckt.






Von Balestrand ging es weiter wieder rauf in die Berge. Bereits in den 1920er Jahren war geplant einen Verbindungsstraße zwischen Sunnfjord über das Gaularfjellet zum Sognfjord zu bauen. Erst 1936, unter der Strassenbauleitung von Direktor Balsrud und Hauptingeneur Torp wurden die Arbeiten in angriff genommen. Deren Devise war: Eine gute Strasse ist zehnmal besser als eine schlechte Straße, aber eine schlechte Strasse ist 100x besser als gar keine Straße. Mit 150 Arbeitern aus der Region konnte 1937 begonnen werden. Der Arbeitsmarkt war schlecht, die Leute waren froh, daher nahmen sie die schlecht bezahlte und schwere Arbeit an. Baumaschinen gab es zu der Zeit noch nicht. Bereits am 3. Dezember 1938 rollte das erste Auto über die Passstrasse. Die für den 6. Dezember geplante offizielle Eröffnung wurde jedoch durch starke Schneemassen bedroht, daher mussten 50 Männer die Straße freischaufeln. Am 6. Dezember wurde planmäßig die Eröffnung mit einem Wagenkonvoi mit Fahnen gefeiert. Eine wirklich beachtliche Leistung. 2016 wurde die spektakuläre Utsiken-Skywalkplattform errichtet, die sich zu einer touristischen Attraktion entwickelte. Die Straße gehört zu den Nationalen Touristenrouten Norwegens, ein interessantes Projekt, an dem 50 Architekten, Landschaftsarchitekten und Künstler beteiligt sind. An einigen sehenswerten Rastplätzen der Norwegischen Straßenverwaltung werden wir noch halt machen, beziehungsweise haben wir schon ein paar dieser Plätze gefunden.



Und schon wieder stehen wir und schauen auf die tosenden Wassermassen, diesmal war es der Likholefossen. Der Wasserfall liegt an einer 21km langen landschaftlich beeindruckenden Wanderstrecke mit 14 großen Wasserfällen und sieben Seen.



Wir fuhren lieber mit dem Motorrad weiter zu unserem nächsten Quarteier nach Vassenden. Unsere Luxushütte lag diesmal direkt am rauschenden Bach (etwas gewöhnungsbedürftig beim Einschlafen).


„Lausche dem Rauschen des Wassers und lass deine Gedanken mit dem Fluss treiben.“
Am nächsten Tag schauen wir, wo die Reise in Norwegen weiter geht.
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