Die Liste mit den Touren und Tagesetappen für die Reise zum Nordkap ist lange. An die Rückreise über Finnland und Schweden brauchen wir noch gar nicht nachdenken. Obwohl gezwungenermassen sollten wir das doch tun, denn die Deutsche Bahn hat unseren Reisezug von Hamburg nach Innsbruck gecancelt, was unseren Reisepläne etwas durcheinander bringt. Aber genug, Norwegen ist groß und wir müssen weiter.
Die Spirale
Von Oslo aus ging es südwärts in Richtung Kristiansand und am Weg dort hin gibt es natürlich wieder einiges, was wir anschauen wollten. In Drammen steuerten wir ein Tunnel an, das sich spiralförmig beginnend bei 50m Seehöhe auf 213m hochschraubt. Dabei legt man 1.600m zurück. Es fühlte sich an, wie wenn man in einer Parkgarage hoch fährt. Der spiralförmige Straßentunnel endet bei einem Parkplatz und einem (wenig spektakulären) Aussichtspunkt. Thorleif Haug, ein norwegischer Wintersportler, der ziemlich alle nordischen Bewerbe beherrschte, gewann 1924 zweimal Gold bei der Olympischen Spielen in Charmonix. Als Bürger von Drammen wird er am Rande vom Parkplatz mit eine Bronzestatue geehrt. Ist das ein würdiger Platz? Ich persönlich bezweifle es. Dann schraubten wir uns wieder in der Tunnelröhre hinunter und fuhren weiter zu einem magischen Bauwerk.



Stabkirche in Heddal
Die Marien-Kirche in Heddal wurde etwa im Jahr 1250 gebaut und ist Norwegens größte Stabkirche. Sie ist 25m lang und 17m breit. Die Höhe liegt bei 29m und das Gebäude hat drei Turmspitzen. Stabkirchen haben eine einzigartige Architektur in einem altnordischen Stil.Kreuze an den Turmspitzen und Wachhunde an den Dachfirsten sollen das heilige Bauwerk schützen.
Das Baumaterial ist Kernholz. Die Kirche wir regelmäßig mit Holzteer gestrichen, was die dunkle Farbe erklärt und das Kiefernholz imprägniert und schützt. Der Name Stabkirche kommt von den Stäben bzw. Säulen die ein charakteristischer Teil der Konstruktion sind. Interessant ist die Bauweise einer Stabkirche. Wie bei einem Bausatz wurden alle Teile im Voraus erstellt. Die Vorarbeiten konnten mehrere Jahre dauern. Der Aufbau konnte dann aber recht schnell erfolgen.
Der Standort in Heddal wurde mitten im Dorf gewählt, wo die Großbauern angesiedelt waren. Die Kirche war leicht am Landweg erreichbar und sowohl mit dem Boot vom Fluss aus. Baumaterial war ausreichend in der Gegend vorhanden. Die Raumwirkung ist einfach großartig. Du gehst in das Kirchenschiff und eine Wärme umfängt dich und lädt dich zum Verweilen ein. Man bedenke die Stabkirche ist 780 Jahre alt. Ehemals gab es 1000 Stabkirchen in Norwegen. 28 sind heute noch erhalten.




Panoramastrasse Jaeren
Bei strömenden Regen hatten wir Kristiansand erreicht und bei noch mehr Regen haben wir es wieder verlassen. das war zwar nicht das richtige Wetter für eine Panoramastrasse. Irgendwie sind wir immer hoffnungsfroh und glauben fest daran, dass um die nächste Kurve der Regen aus sei. Es funktioniert nur in den seltensten Fällen, eben nur dann, wenn sich die Wetterfrösche geirrt haben. Bis Flekkefjord gab es nur die Option auf der Schnellstrasse zu fahren, was in Norwegen mühsam ist, 80km Beschränkung, oft nur normale Landstrassse mit Gegenverkehr und da fahren alle, die rasch vorankommen möchten. Geplant ist geplant, dahr ein Schwenk in Flekkefjord in Richtung Küste. Wir konnten bei dem Starkregen nur erahnen, wie beeindruckend die Landschaft entlang der Scenic Road ist. Erst nach Egersund lichtete sich die Wolkendecke für einen Augenblick. So konnten wir wenigstens beim Kvassheim Leuchtturm und beim kleinen Madland Haven einen kurzen Fotostopp einlegen. Bemerkenswert ist das auffällige grüne WC-Häusel an dem doch eher unspektakulären kleinen Hafen. Ich hab mich schlau gemacht und habe folgendes heraus gefunden. Im Sommer wird der Teil der Nordseeküste gerne für Wetterbeobachtungen und zum spazieren gehen aufgesucht. Es gibt ein verrostetes Schiffswrack zu sehen, eine archäologische Ausgrabungstätte und den Kongevegen, einen 1000 Jahre alter Pfad. Die Investition der Strassenverwaltung in die Kloanlage im Grünen macht daher wirklich Sinn.
Die kurze Regenpause war vorbei, bis Stavanger war’s wieder eine feucht fröhliche Fahrt.









Stavanger nicht ohne meine Regenjacke
Auf die Wetterapp war kein Verlass. Das was hier kein Regen sein soll, fühlt sich in meiner Welt schon nach Regen an. Aber zuhause im Appartement hocken und Daumen drehen war auch keine Option. Daher rein in die gelbe Pracht und auf in die Altstadt von Stavanger.






Mal ein ganz anderes Museum stand am Programm: das Konservendosenmuseum! Fisch in der Dose war ein lukratives Geschäft. Bis 1901 wurden die Sardinen per Hand in die Dosen gefüllt. wir haben es ausprobiert. Das ist gar nicht so leicht. Großteils wurde die Arbeit damals von Frauen und Kindern gemacht, natürlich gegen schlechte Bezahlung. Der Rekord für die Befüllung per Hand lag angeblich bei 7 Sekunden. Das Museum ist originellerweise in einer ehemaligen Fischfabrik untergebracht. Stavanger war in der Blütezeit mit 70 Fischdosenfabriken die Norwegische Konservenhauptstadt. Ich fand den Besuch sehr interessant und aufschlussreich, wie der Fisch in die Dose kam.
Im Nebengebäude befindet sich das Grafische Museum IDDIS. Die Entwicklung der Druckgrafik für kommerzielle Zwecke hängt eng mit der Konservenproduktion zusammen. Das Etikett wurde als Marketingmittel entdeckt. Ursprünglich wurde nur auf Papier gedruckt und die Dose dann damit eingewickelt. Neue Verfahren ermöglichten den Druck direkt auf das Blech. Das Iddis bietet einen gründlichen Überblick zur Entwicklung der Sprache und über das Druckwesen. Ebenso wird auf die Jetztzeit eingegangen, da sich vieles ins Internet verlagert hat und die Druckgrafik rückläufig ist.








In der Altstadt schlenderten wir vorbei an den hübschen bunten Häusern. Da käme glatt gute Laune auf, wenn da nicht die schwarze Wolke gewesen wäre. Gerade noch rechtzeitig konnten wir in ein Kaffeehaus flüchten, denn Wasser marsch von oben war wieder angesagt. In dem Cafe gab es verschiedene Spiel für den Zeitvertreib. Wir entschieden und für eine Partie Würfelpoker. Wer glaubt ihr, hat gewonnen? 🙂 io




Schwerter im Berg
Bevor wir Stavanger den Rücken zuwenden, fuhren wir noch zu den drei Schwertern im Berg. Die Schwerter erinnern an die Gründung Norwegens bei der Schlacht von Hafrsfjord Gleichzeitig. sie sind aber auch ein Symbol der Friedens, denn die Wikinger steckten in Friedenszeiten ihre Schwerter in den Boden.


Es geht ganz sicher feucht fröhlich weiter nach Bergen.
Ami + Pi + Der gelbe Bock
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