Unsere Siebensachen waren wieder verstaut und der Schlüssel von der IKEA-Wohnung in der Box am Poller eingesperrt. Rauf auf den Bock und weiter ging die Erkundungstour auf kleinen Strassen und auf Naturstrassen. Bei solchen Fahrten bewegen wir uns meist in sehr ländlichen Gegenden. Abseits der Touristenströme ging es diesmal vorbei an grünen Weiden und schönen norwegischen Bauernhöfen. Ein Halt in so kleinen abgelegnen Dörfern kann sich schon lohnen.
Ein Sonntag in Kvikne
Wir machten ungeplant bei der Holzkirche in Kvikne halt und setzten uns in der letzten Reihe in die Kirchenbank. Wir wollten den Gottesdienst der kleinen Gemeinde, durch unhöfliches herum fotografieren, nicht stören. Gut, ganz unbemerkt konnten wir uns nicht einschleichen. Verwunderte Blicke der Messbesucher, man konnte förmlich die Gedanken der Leute hören: Wer sind die? Der Messdiener gab uns sogar eine Heftchen zum mitsingen. Die Lieder waren sehr beschwingt, recht ungewöhnlich für Kirchenmusik. Eine Melodie war sehr nahe an dem Song der EAV … küss die Hand schöne Frau, ihre Augen sind so blau, tirili, tirilo, tirila … Sicher haben die Leute von Kvikne einen heiligeren Text gesungen. Nach der Hostienverteilung noch ein Lied und dann wurde noch die Einladung zum sonntäglichen Kaffeekränzchen nach der Messe ausgesprochen. Die einladende Familie sass gleich eine Reihe vor uns. Beim Verlassen der Kirche sprachen sie uns persönlich an, dass wir gerne mitkommen können, wenn wir möchten. Sie wohnen gleich in dem Haus neben der Kirche. Wir haben noch schnelle in paar Fotos von den barocken Kunstschätzen der Kirke in Kvikne gemacht und folgten den paar älteren Damen zum Kirchenkaffeekränzchen. Im Haus von Kurt und Tya war ein großer Tisch gedeckt, der Kaffee duftete schon. Kurt brachte noch einen Campingtisch und die ganze 15-köpfige Kirchengemeinde inklusive Pfarrer griff zu. Es gab einen selbst gebackenen Zimtschneckenkranz und einen Schokobrowniekuchen mit Frosting, köstlich. Der Bock-Chef hat gleich vier Stück Kuchen verdrückt. Der Herr Pfarrer gesellte sich neugierig zu uns, wir plauderten über Gott und die Welt, die Zeit verflog, es war so gemütlich. Die Gastgeber hatten scheinbar auch große Freude, dass wir mitgekommen waren. Irgendwann waren die Teller leer und wir kurvten weiter, denn ausnahmsweise war der Himmel blau.






Nicht weil Sonntag war, sondern weil Ringebu eine der größten Stabkirchen Norwegens ist, machten wir einen Besichtigungsstopp. Interessant an dem Bau ist, dass der Glockenturm ausserhalb neben dem Friedhof steht. Die Ausstattung ist mit reichlicher barocker Akanthusschnitzerei versehen. Bemerkenswert fand ich die Wandmalereien, die 1921 nach den Vorlagen von 1717 wieder hergestellt wurden. Die Muster wirken sehr modern. Auffällig war die Votivtafel an der linken Seite, es dürfte sich bei den abgebildeten Personen um Stifter handeln. Was mir auffällt, dass die Grundstruktur der Stabkirchen bautechnisch überall sehr ähnlich ist, je nachdem, wie lange die Kirche genutzt wurde, wurden Modernisierungen vorgenommen. Bei völlig rekonstruierten Bauten, versuchte man sich an die ursprünglichen Formen zu halten. Ringebu ist heute noch die Gemeindekirche, wo die Gottesdienste stattfinden. Wieviele von den 28 erhaltenen Stabkirchen haben wir eigentlich schon gesehen?





Rasteplassen
Damit es am Sonntag nicht nur Kirchen gibt, zeige ich euch noch einen Rasteplass, der mir gefallen hat. Die Etappe wurde von viel Landschaft begleitet und plötzlich war er da, der Sohlbergplassen. Ich wäre wahrscheinlich vorbei gefahren, denn der Zugang zur Aussichtsplattform ist gar nicht gleich vom Parkplatz aus zu sehen. Von dort hat man nämlich einen wunderbaren Ausblick auf das Rondanegebirge, das den norwegischen Maler Harald Sohlberg faszinierte. Eines seiner wichtigsten Werke „Winternacht in Rondane“ beschäftigte ihn sein Leben lang. Die ersten Studien entstanden bereits um 1900. Das Ölgemälde – die bekannteste Version von dem Motiv – wurde erst 1914 fertiggestellt und befindet sich in der Nationalgalerie in Oslo. Stilistisch wird Sohlberg den Neoromantikern zugeordnet, obwohl seine Werke durchaus symbolistische Züge besitzen. Der Architekt von Sohlbergplassen, Carl-Viggo Holmebakk, schlingt gekonnt seine Wege zur Plattform um die Bäume, die ungehindert weiter wachsen können. Und dann steht man vor dem echten Landschaftsoriginal von Sohlbergs Motiv, dem Rondanegebirge.



Wir haben wieder viel gesehen und einen total coolen Sonntag in Norwegen verbracht, ausnahmsweise ohne Regen.
Auf die nächste Etappe könnt ihr euch schon freuen, auch wenn’s kalt und regnerisch wird.
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