Wir hatten uns in der Nähe von Randsverk in einer Apartmentanlage in einer großen Wohnung eingemietet. Es war absehbar, dass wir nicht alle zwei Tage in der Wohnung herumhängen würden. Also hatte der Bock-Chef bereits in den Wintermonaten, als er die Reise plante, an einen Ausflug gedacht. Die Wetterprognose für die nächsten Tage war durchwachsen. Also nahmen wir die Ausfahrt gleich am Freitag in Angriff, natürlich nicht ohne unsere gelbe Spezialausrüstung.

Die Stabkirche in Lom

Nach ein paar Kilometern errreichten wir die Stabkirche in Lom. Die Kirche in Lom stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehört zu den größten erhaltenen Stabkirchen in Norwegen. Besonders bemerkenswert ist die bemalte Decke im Chor und die geschnitzte Kanzel aus dem 17. Jahrhundert. Im Vergleich zu den bisher gesehenen Stabkirchen ist die Kirche sehr prächtig ausgestattet. Aber seht selber.

Ein rascher Stopp. Die Elveseter Sagensäule war zwar nicht eingeplant, aber wir fuhren buchstäblich daran vorbei. Mit ihren 34m Höhe ist sie nicht zu übersehen. Die Säule wurde erst 1992 errichtet und erzählt die Geschichte Norwegens, beginnend mit Harald, dem ersten König Norwegens im Jahr 872 bis zur ersten Nationalversammlung Riksforsamlingen 1814 in Eidsvoll. Die Reliefs wurden bereits in den 20er Jahren des letzten Jahrhunders von Wilhelm Rasmussen (1879-1965) entworfen. Das wars auch schon, mehr gibt das Internet nicht her dazu.

Elveseter Sagensäule Norwegen

Mehr Aufmerksamkeit als die Säule erweckten die Fahrzeuge, die davor parkten. Da standen zwei Beiwagen-Maschinen mit Wohnwagenanhänge. Gibt’s denn so was? Kann das Spass machen mit so einer Führe unterwegs zu sein? Fast tat mir der Fahrer leid, weil es zu tröpfeln begann. Die Dame sass geschützt in ihrem Kabäuschen im Beiwagen und der Fahrer musste das riesige Gespann bei Wind und Wetter durch die Gegend karren. Na ja, jeder wie er will und kann, heißt es doch so schön.

Und plötzlich wurde es winterlich

Unsere Tour führte über das Sognefjellet auf 1.428m, eigentlich nicht so hoch, aber in Norwegen hoch genug, um noch mit Schnee und zugefrorenem See zu überraschen. Wer genau schaut, findet auf einem Foto sogar noch Langläufer, die sportlich auf der Loipe dahin zogen. Ich glaube, ich habe mich mit dem Beitragstitel „Auf in den Sommer“, womit ich die Reise angeteasert habe, ziemlich verhaut. Vielleicht wäre besser gewesen: Die Winterreise.

Die über 100km lange Straße gehört zu den Nationalen Touristenrouten und wartet mit einigen interessanten Bauten oder Kunstwerken auf. Wie wir schon gehört haben, wurden dafür mehrere Architekten, Landschaftsarchitekten und Künstler beauftragt. Die gestalteten Rastplätze sind ein zusätzlicher Anreiz die Strecke zu fahren. Das Steinfenster Mefjellet, bei guter Sicht mit Blick auf den Gletscher ist ein beliebter Fotopoint. Oder das braune Oscarshaug-Klohäuschen ist ein interessantes Örtchen – ich hab’s probiert. Mit Stein auf Stein ist der Steinplassen eine künstlich geschaffene Skulptur, die aber so aussieht, als hätte die Natur sie geschaffen. Ungemütlich kalt war die Fahrt, nur 3 Grad. Zuhause würde ich jegliche Ausfahrt bei solchen Temperaturen verweigern. Hier in Norwegen hab ich keine andere Wahl. Weiter unten wurde es dann wenigstens wieder ein paar Grad wärmer. Ein wirkliches Highlight lag noch am Weg nach Hause.

Die Oye Stabkirche

Wir hatten das Glück, dass wir bei einer Führung teilnehmen konnten. So haben wir viel erfahren. Die Oye Kirche stammt von 1327 und wurde erst 1930 wieder entdeckt. Sie lag ursprünglich am Weg von Oslo nach Bergen. Rätselhaft ist das Taufbecken aus französischer Eiche, das einzig erhaltene Holzbecken aus dem 13. Jahrhundert. Es wird vermutet, dass es Verbindungen nach Limoge in Frankreich gab und ein Geschenk an die Kirche war. Das Kreuz ist original, interessant ist der blonde Christus, bei dem auch französischer Einfluss erkennbar ist. Das Schiff beim reich geschnitzten Portal dürfte ebenfalls ein Geschenk gewesen sein. Die Symbolik, warum dort das Schiff angebracht wurde ist noch nicht erforscht. Um die Kirche herum gib es links einen geschlossenen finsteren überdachten Umgang, der für unreine, ledige Schwangere und behinderte Frauen war. Rechts gab es einen offene überdachten Gang für behinderte Männer. Die durften alle nicht in die Kirche. Eigentlich ziemlich verachtend. Die Oye Stabkirche ist nicht groß, aber sicher ein wichtiger Baustein für die Geschichte der Stabkirchen in Norwegen.

Der Regen begleitete uns zurück zum Quartier. Proviant war ausreichend vorhanden, so dass wir am nächsten Tag keinen Fuss vor die Tür setzten. Endlich ein ganzer Tag Ruhetag.

Bald geht es wieder weiter.

#motorradfahren #motorradreisen #bmwadventure #abenteuer #reiselust #pillionrider #kleineabenteuer #adventure #welterfahrung #norwegen #lom #oye #sognefjellet

Unsere Motorradreisen

Alle Länder von A-Z.

Ami & Pi

Ami + Pi reisen gemeinsam mit einer BMW GS 1200 Adventure seit 2013. Auch mit 66+ ist noch lange nicht Schluss.

Leave a Reply